Auch eine multikulturelle Gesellschaft braucht Zusammenhalt

Prof. Norbert Lammert in der Diskussion mit dem Publikum. Links neben ihm der Gastgeber des Abends Dr. Reinhard Knüppel von Bürgerimpulse.

Prof. Norbert Lammert war von 2005 bis 2017 Präsident des Deutschen Bundestags und ist über Parteigrenzen hinweg respektiert. So wurde es die trotz tropischer Temperaturen mit über 200 Gästen bisher bestbesuchte Veranstaltung von Bürgerimpulse als Lammert am 25.06.2019 im Großen Saal der Volksbank Ulm-Biberach über den schwierigen Begriff der 'Leitkultur' referierte.

Menschen mögen keine Vorschriften, aber wenn in einer Gesellschaft nicht das Recht des Stärkeren, sondern Zusammenhalt und individuelle Freiheiten gelten sollen, muss sich diese auf ein Mindestmaß an gemeinsamen 'Verbindlichkeiten' einigen. Welches diese sind, darf hinterfragt werden und kann sich über die Jahre und Jahrzehnte fortentwickeln. Doch Geld, Wettbewerbsmechanismen oder Machtverhältnisse reichen dazu nicht aus. Eher sind es die Erfahrungen, Überzeugungen, Orientierungen und Traditionen, die in einer Gesellschaft Geltung beanspruchen. Bis auf die gemeinsame Sprache ist dieser Kanon bei uns auch nicht Deutsch, sondern Europäisch. Er beansprucht keine Überlegenheit gegenüber dem Kanon anderer Staaten wie z.B. China. Auch Zuwanderer, die bleiben und hier leben wollen, haben das Recht, sich an der ständigen Diskussion zu beteiligen.

In Europa stehen diese Überzeugungen in einem Spannungsverhältnis zwischen Glaube und Vernunft. Als Beispiel für sich weiterentwickelnde Überzeugungen, bei denen Glaube und Vernunft sich gegenseitig relativieren, nannte Lammert den Wandel des Familienbegriffs in unserer Gesellschaft.

In den einleitenden Artikeln des Grundgesetzes sieht Lammert jedoch nicht Quelle, sondern Ausdruck dieser Überzeugungen. Ausführlich widmete er sich dem Zustandekommen und den Besonderheiten dieses bemerkenswerten Dokuments, das auf unseren sich wandelnden kulturellen Überzeugungen basiert und unter anderem deshalb bereits über 50 Mal geändert wurde.

Die Zuhörer waren beeindruckt und lauschten dem Vortrag diszipliniert. Bemerkenswert ist, dass Lammert dieses schwierige Thema ohne die leiseste Andeutung einer 'Stammtischparole' sachlich abhandelte. Die Gäste dankten es ihm in der Diskussion und ließen sich bei ihren Beiträgen ebenfalls nicht auf dieses Niveau herab. Ein Fazit des Abends war aber auch, dass es nicht auf den Begriff ankommt, sondern auf die Diskussion über den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Obgleich Prof. Lammert in Ulm Aspekte hinzufügte und vertiefte, sind seine Thesen zur Leitkultur noch von einem früheren Vortrag auf seiner Website nachlesbar. Einen Videobericht mit Interview finden Sie bei Regio TV Schwaben. Die Südwest Presse Ulm berichtete ausführlich in ihrer Printausgabe vom 27.06.2019 auf Seite 19.

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Von der Utopie zur Realität

Am 11.04.19 trug Prof. Thomas Straubhaar (hier im Gespräch mit Bernd Scheitterlein und Dr. Reinhard Knüppel) auf Einladung von Bürgerimpulse e.V. in der Handwerkskammer Ulm sein Plädoyer für ein Bedingungsloses Grundeinkommen vor.

Nicht „warum“, sondern „warum nicht“ – ein Bedingungsloses Grundeinkommen müsste mit Blick auf die Zukunft des deutschen Sozialstaates die korrekt formulierte Frage lauten, sagte Prof. Dr. Thomas Straubhaar von der Universität Hamburg bei seinem Vortrag am 11.04.2019 in der Handwerkskammer Ulm auf Einladung von Bürgerimpulse. Denn was auf den ersten Blick Vision oder gar Utopie zu sein scheint, ist bei genauerem Hinsehen eine realistische, pragmatische und vor allem sachgerechte Antwort auf die gewaltigen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – also die Digitalisierung als Fortsetzung der Globalisierung mit neuen Technologien, die demografische Alterung mit immer mehr Älteren und die Individualisierung der Gesellschaft mit neuen Formen des Zusammenlebens jenseits der klassischen Familie.

In Zeiten starken und schnellen Wandels soll nicht die neue Welt passend für ein altes Modell gemacht werden. Das alte System muss der neuen Welt angepasst werden. So wird möglich, die sich bietenden Chancen der Zukunft zum Wohle aller zu nutzen.

Ein Grundeinkommen löst viele, aber nicht alle Herausforderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen. Es beinhaltet manche Unbekannte und verursacht andere Kosten. Genauso gefährlich aber ist das verkrampfte Festhalten an einem veralteten System, das weder den Versprechungen von heute und noch weniger den Herausforderungen von morgen gerecht werden wird. Ein Systemwechsel mag kurzfristig teuer sein. Ein Verzicht auf ein Grundeinkommen jedoch dürfte langfristig teurer werden.

In der Diskussion mit den 120 Gästen räumte Straubhaar ein, dass die Einführung des Grundeinkommens eine Übergangsphase von womöglich zwei Generationen erfordern könnte, denn niemand sollte dabei z.B. seine bereits durch Einzahlungen in die Rentenversicherung erworbenen Ansprüche verlieren. Einwanderung locke dagegen schon das bisherige Sozialsystem an; dem könnte man entgegenwirken, in dem das Grundeinkommen Einwanderern erst nach und nach in jährlich steigenden Prozentsätzen gewährt wird.

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Auf die Kommunikation kommt es an

Prof. Achim Bubenzer referiert bei Bürgerimpulse über den Klimawandel

Prof. Achim Bubenzer hat sich der Klimakommunikation verschrieben. Der Physiker und ehemalige Rektor der Hochschule Ulm argumentiert, dass die Art und Weise, auf die seit über 20 Jahren über den Klimawandel gesprochen wird, einer Lösung des Problems mitunter im Wege steht. Sachlich, ohne Schuldzuweisungen und ohne Ängste sollte mit dem Thema umgegangen werden – aber auch nicht zu technisch, denn wer kann mit Angaben wie "400 ppm CO2" schon etwas anfangen?

Sein Vortrag vor über 170 Gästen im Großen Saal der Volksbank Ulm-Biberach stellte zunächst ein paar Fakten dar: was sehen wir schon jetzt, z.B. schmelzende Gletscher in den Alpen? Es folgten 6 Gründe, weshalb der Klimawandel dennoch schwer zu begreifen und anzugreifen ist: schwere Folgen sind (noch) nicht vor der eigenen Haustür zu sehen und werden auch international oft erst noch erwartet; die Lösung ist zudem eine Gemeinschaftsaufgabe und von Einzelnen nicht zu leisten.

Schließlich setzte sich Bubenzer der Reihe nach mit 10 häufigen Argumenten und Äußerungen auseinander, die in der Debatte vorgebracht werden – z.B. Deutschland allein könne die Welt nicht retten. Nicht alle Argumente sind vor der Hand zu weisen, aber auch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen.

Das Ziel müsse eine motiviertende Klimakommunikation sein: weniger unverständliche Zahlen, weniger traurige Bilder z.B. abgemagerter Eisbären und auch keine Weltuntergangs-Szenarien. Der Kampf gegen den Klimawandel hat viel mehr das Potenzial, zu einer Erfolgsgeschichte globaler Kooperation zu werden, die eine lebenswerte Welt für unsere Kinder schafft. Beispiele dafür sollte man in den Vordergrund stellen. Dann macht auch das Mitmachen wieder Spaß!

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Die Spuren des Menschen im Wasser

Prof. Andreas Fath illustriert, wie Plastik sich im Wasser nur langsam zersetzt

Prof. Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen schwamm von der Quelle bis zur Mündung des Rheins. Unterwegs analysierte er immer wieder das flussabwärts zunehmend belastete Wasser. Doch bereits im Tomasee, der als Quelle des Rheins gilt, fand er Mikroplastik. Dieses gelangt in die Nahrungskette und lässt sich auch beim Menschen im Darm nachweisen. Seine Auswirkungen sind nicht abschließend untersucht. Das größte Problem für die Gesundheit ist wahrscheinlich nicht das schlecht verdauliche Mikroplastik selbst sondern dass an ihm Schadstoffe anhaften (in kontrollierter Umgebung ist Mikroplastik deshalb sogar ein möglicher Wasserfilter). Die anhaftenden Schadstoffe gelangen mit ihm in den Darm und richten womöglich Schaden im Körper an.

Die Erkenntnis daraus ist, dass bei allen messbaren Erfolgen der letzten Jahrzehnte noch immer mehr für den Gewässerschutz getan werden muss. Dies fängt bei jedem Einzelnen an: nicht alles was über Dusche, Toilette oder Spülwasser ins Abwasser gelangt, kann durch Klärwerke wieder herausgefiltert werden, zum Beispiel Bestandteile von Drogerieartikeln, Schmerzmittel und Antibiotika. Plastik als Material hat seine Berechtigung in vielen Bereichen, aber bei Wegwerf-Artikeln wie Einkaufsverpackungen sollte es vermieden oder zumindest richtig entsorgt werden.

Im vollen Studio der Sparkasse Ulm in der Neuen Mitte fand Prof. Faths spannender und eindrucksvoller Vortrag am 5. Dezember 2018 deshalb eine gebannte Zuhörerschaft. Als nächstes möchten wir unseren neuen Umweltschwerpunkt mit einem Vortrag zum Klimawandel fortsetzen.

Eine weitere Zusammenfassung des Vortrags finden Sie in der Südwest Presse.

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Dem Spenden-Euro mehrere Leben geben

Sophie Eisenmann referiert über die Bekämpfung von Armut durch Social Businesses

Sophie Eisenmann, Mitbegründerin von Yunus Social Business, sprach am 11. Oktober im Großen Saal der Volksbank Ulm-Biberach darüber, wie ihr Team um den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus durch Unterstützung von Sozialunternehmen die Armut in der Welt beseitigen möchte.

Der Grundgedanke: bei einem herkömmlichen Spendenprojekt wird das Geld z.B. für Hilfsgüter ausgegeben und ist weg. Investiert man dieses Geld jedoch in ein selbst tragendes Social Business mit einem funktionierenden Geschäftsmodell, arbeitet das Geld weiter, schafft Arbeitsplätze, beseitigt Armut und kann idealerweise nachher in eine weitere Unternehmung investiert werden.

Eisenmann stellte mehrere solcher Projekte vor. Zum Beispiel unterstützt Golden Bees lokale Imker in Uganda mit Ausstattung, Expertise, aber auch dem wichtigen Zugang zu internationalen Märkten, auf denen sie ihre Produkte zu einem wesentlich höheren Preis verkaufen können als in ihren Dörfern. Die Imker und ihre Familien kommen damit aus der Armut heraus und können die Ausbildung ihrer Kinder finanzieren - ein wichtiger Grundstein für nachhaltigen Wohlstand.

Ein zentraler Aspekt der Projekte ist die Skalierbarkeit, d.h. dass diese prinzipiell auf immer mehr Regionen und Länder ausdehnbar sind. Zum Konzept gehört auch die enge Begleitung der Projekte vor Ort durch Expertise und Vernetzung mit möglichen Partnern.

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