Von der Utopie zur Realität

Am 11.04.19 trug Prof. Thomas Straubhaar (hier im Gespräch mit Bernd Scheitterlein und Dr. Reinhard Knüppel) auf Einladung von Bürgerimpulse e.V. in der Handwerkskammer Ulm sein Plädoyer für ein Bedingungsloses Grundeinkommen vor.

Nicht „warum“, sondern „warum nicht“ – ein Bedingungsloses Grundeinkommen müsste mit Blick auf die Zukunft des deutschen Sozialstaates die korrekt formulierte Frage lauten, sagte Prof. Dr. Thomas Straubhaar von der Universität Hamburg bei seinem Vortrag am 11.04.2019 in der Handwerkskammer Ulm auf Einladung von Bürgerimpulse. Denn was auf den ersten Blick Vision oder gar Utopie zu sein scheint, ist bei genauerem Hinsehen eine realistische, pragmatische und vor allem sachgerechte Antwort auf die gewaltigen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – also die Digitalisierung als Fortsetzung der Globalisierung mit neuen Technologien, die demografische Alterung mit immer mehr Älteren und die Individualisierung der Gesellschaft mit neuen Formen des Zusammenlebens jenseits der klassischen Familie.

In Zeiten starken und schnellen Wandels soll nicht die neue Welt passend für ein altes Modell gemacht werden. Das alte System muss der neuen Welt angepasst werden. So wird möglich, die sich bietenden Chancen der Zukunft zum Wohle aller zu nutzen.

Ein Grundeinkommen löst viele, aber nicht alle Herausforderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen. Es beinhaltet manche Unbekannte und verursacht andere Kosten. Genauso gefährlich aber ist das verkrampfte Festhalten an einem veralteten System, das weder den Versprechungen von heute und noch weniger den Herausforderungen von morgen gerecht werden wird. Ein Systemwechsel mag kurzfristig teuer sein. Ein Verzicht auf ein Grundeinkommen jedoch dürfte langfristig teurer werden.

In der Diskussion mit den 120 Gästen räumte Straubhaar ein, dass die Einführung des Grundeinkommens eine Übergangsphase von womöglich zwei Generationen erfordern könnte, denn niemand sollte dabei z.B. seine bereits durch Einzahlungen in die Rentenversicherung erworbenen Ansprüche verlieren. Einwanderung locke dagegen schon das bisherige Sozialsystem an; dem könnte man entgegenwirken, in dem das Grundeinkommen Einwanderern erst nach und nach in jährlich steigenden Prozentsätzen gewährt wird.

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